Tag-Archiv für 'antirassismus'

Direct Action 2017

Ab sofort ist während der Öffnungszeiten bzw. Sprechzeiten der Direct Action Kalender für 2017 erhältlich. Falls es anarchosyndikalistischer sein soll sind auch noch einzelne Exemplare des Syndikals erhältlich.

Alternative Orientierungstage 2015

Herbst 2015, ein neues Semester beginnt, der Zyklus startet von vorne. Friedolin, Credits und Musterstudienpläne wollen wieder unser Leben beeinflussen.
Doch wir sagen: Studieren muss mehr als das sein! Die diesjährigen „Alternativen Orientierungstage“ (ALOTA) in Jena stehen in den Startlöchern und damit knapp 50 Workshops, Vorträge, Stadtrundgänge, Film-, Diskussions- und Kneipenabende rund um das politische Leben in Jena. Wir möchten hiermit alle Interessierten, Aktiven und solche die es werden wollen einladen, vorbeizuschauen! Alles Wichtige rund um die ALOTA 2015 findet ihr auf http://alota.co.vu/.

Veranstaltungsmarathon, Couchcafe, Eröffnung – Kommt vorbei!

Alle Veranstaltungen werden vom 12.-24.Oktober in und rund um die Friedrich-Schiller-Universität (FSU) stattfinden. Das Programm und den Timetable, sowie zahlreiche Informationen zu den Veranstaltungen, beteiligten Gruppen und zentralen Spots, findet ihr auf http://alota.co.vu/.
In der ersten Woche wird es außerdem vom Dienstag bis Freitag das „Couchcafe“ auf dem Campus am Ernst-Abbe-Platz geben. Von 12-18 Uhr könnt ihr dort alle möglichen Infos und Materialien bekommen und „Alteingessene“ zu Studium, Leben und Aktivismus in Jena ausquetschen.
Und es sei nochmal auf die „Feierliche Eröffnung“ am Montag, den 12.Oktober um 11Uhr in Hörsaal 8 hingewiesen. Wir würden uns freuen auch dort den einen oder die andere von euch zu sehen und auf die anstehende kritischen Wochen die Sektkorken knallen zu lassen.

Über Friedolin hinaus gehen

Mit dem zweiwöchigen Veranstaltungsmarathon vom 12.-24.Oktober wollen wir nun das zweite Jahr in Folge „Erstis“ aber auch allen anderen Interessierten einen kritischen Einstieg ins neue bzw. erste Semester ermöglichen. Alternative Orte und Kultur, aktive Gruppen und Initiativen, kritische Perspektiven auf den Hochschulbetrieb, die Stadt und die Gesellschaft – die kommenden zwei Wochen sollen eine Möglichkeit sein, sich über all das eine Orientierung zu verschaffen.
Unter dem Motto „Still not lovin´ Friedolin“ grenzt sich das Ganze also bewusst ab von den klassischen Einführungen in den Hochschul-Trott aus Prüfungsordnung, Modulkatalog und Musterstudienplan. Friedolin, das Online-Verwaltungsprogramm der FSU, ist für uns der symbolische Knotenpunkt all dessen und Ausdruck eines immer mehr auf ökonomische Verwertung getrimmten Universitätssystems. Die eingeschränkte Perspektive auf ein Leben im Studium, die sich hieraus ergibt, wollen wir nicht akzeptieren: Die Unizeit bietet mehr als das Sammeln von Credit Points.

Das widerspenstige Jena sichtbar machen

Im Zentrum der ALOTA steht damit nicht der Universitätsbetrieb, sondern das widerspenstige Jena, jener Teil der Stadt, der sich nicht der postulierten Alternativlosigkeit der jetzigen Verhältnisse beugen will. Dieser nicht immer sichtbare Teil soll in den zahlreichen Events beleuchtet und eine kritische Perspektive auf den Rest gestärkt werden. Wir wollen also mit den „Alternativen Orientierungstagen“ eine Bresche schlagen in den unübersichtlichen Jenaer Polit-Dschungel und den häufig schwer auffindbaren Weg dorthin freilegen. Wer aktiv werden will, sich nach Formen der Selbstorganisierung und alternativen, solidarischen Strukturen umsieht, wird also in den zwei Wochen hoffentlich inspiriert und fündig werden.

Linke Perspektiven stärken

Aber die ALOTA sollen nicht bloß das Aktiv-werden erleichtern. Wir wollen darüber hinaus inhaltlich diskutieren und Auseinandersetzungen um emanzipatorische Theorie und Praxis vorantreiben. Die Veranstaltungsreihe bündelt kritische Perspektiven und Ansätze linker Politik, um sie letztendlich zu stärken. Etwas, das im aktuellen Kontext immer erfolgreicher werdender rechter Mobilisierung – besonders auch in Thüringen – bitter nötig ist, will man nicht immer bloß reagieren und dem Anstieg reaktionärer Positionen hinterherrennen. Wir sehen die ALOTA also auch als eine Chance mit linken Perspektiven und Alternativen in die Offensive zu gehen. Ein Blick auf das Programm macht deutlich, wie dies aussehen kann: antirassistisch, feministisch, kapitalismuskritisch und solidarisch. In diesem Sinne: Wir würden uns freuen, wenn ihr dabei seid!

10.10.2015 “Es reicht, ya basta, it’s enough, كافيةأنها – Antirassistische Demonstration Gotha

Kurzaufruf:
Gotha, mit samt seinem Landkreis, ist im Bezug auf die rassistische deutsche Hetze gegen Geflüchtete, bisher halbwegs glimpflich davon gekommen. „Thügida“ hat sich zwar zwei Mal in Ohrdruf versucht und die Nazikameradschaft „Bündnis Zukunft Landkreis Gotha“ hat im April eine rassistische Demonstration durchgeführt, jedoch schien die Situation im Vergleich zu anderen Regionen eher entspannt. Die Lage scheint nun jedoch etwas zu kippen. In Waltershausen kamen im September über 500
Rassisten und Nazis zusammen um gegen die Unterbringung von Geflüchteten zu demonstrieren und in Ohrdruf formiert sich ein immer größer werden der Zusammenschlusz rund um die Gruppe „Pro Ohrdruf“ eine Bürgerwehr, welche von bekannten Nazis formiert wurde. Diese verfolgen, drangsalieren und fotografieren Geflüchtete in der Stadt. Erschwerend hinzu kommen die neuesten Entwicklungen in der ohrdrufer Erstaufnahmestelle: die Menschen müssen hungern, da die Verpflegung sozusagen nur aus „Wasser und Brot“ besteht, eine ärztliche Versorgung ist de facto nicht gegeben, die Geld-Ausgabe wird immer wieder verschoben und die Sicherheitsfirma
scheint nur aus machtgeilen Rassisten zu bestehen, welche die Geflüchteten verängstigen und unterdrücken. Dieser menschenverachtenden Praxis, von Staat, Nazis und stolzen deutschen Bürgern aka Rassisten, muss Einhalt geboten werden. Wir rufen daher am 10.10.2015 um 14:00 Uhr zu einer Demonstration durch die Kreisstadt Gotha auf, um den Rassisten und den für die Geflüchteten zuständigen Ämtern zu zeigen, was von ihrer menschenverachtenden Praxis zu halten ist: NICHTS!

Plakat

Neue Lirabelle im Infoladen erhältlich

Ab sofort ist die neue Lirabelle im Infoladen erhältlich. Schaut einfach zu den Öffnungszeiten vorbei.
Lirabelle #9 Cover

23. antifaschistische und antirassistischer Ratschlag am 01. und 02. November in Suhl

Seit 1990 findet in Thüringen jährlich der antifaschistische und antirassistische Ratschlag statt. Primäres Ziel war es den Kampf gegen die damals erstarkenden faschistischen Tendenzen voranzutreiben, die Aktiven zu vernetzen und Positionen sowie Strategien im Bereich des Antifaschismus und Antirassismus zu diskutieren. Der Ratschlag findet wie jedes Jahr um den 9. November herum statt, um an den Jahrestag der Reichspogromnacht 1938 zu erinnern, als Deutsche landesweit Synagogen und andere jüdische Einrichtungen niederbrannten und Jagd auf Jüdinnen und Juden machten.

„Im grünen Wald die rote Stadt, die ein zerschossen‘ Rathaus hatt“

In der Vergangenheit galt Suhl als „rote Stadt“, als Hochburg der Arbeiterbewegung. Noch heute erinnert ein Spruch am Rathaus an den Kampf der Arbeiterwehren gegen die faschistischen Milizen während des Kapp-Putsches 1920. Damals hatten die kämpfenden Arbeiter_innen die Putschisten aus Suhl vertrieben, woran viele Jahre später noch die Einschusslöcher am Rathaus erinnerten. Auch während der Zeit des Nationalsozialismus, als die überwältigende Mehrheit der deutschen Bevölkerung sich in die mörderische Volksgemeinschaft einfügte, agierten in Suhl mehrere Widerstandsgruppen, wie etwa die Friedberg-Gruppe.
Heute bildet die kreisfreie Stadt Suhl zusammen mit der Nachbarstadt Zella-Mehlis, trotz rapider Bevölkerungsverluste, ein Zentrum im Süden Thüringens und ist damit auch ein zentrales Ziel faschistischer Organisierungen, was sich in den vergangenen Jahren unterschiedlich stark bemerkbar machte. In Suhl und Umgebung gab und gibt es dauerhaft eine aktive Naziszene, in der die Akteure immer wieder unter verschiedenen Namen und Gruppenzusammenhängen auftraten. Löste sich eine Neonazigruppe auf, dauerte es meist nicht lange, bis sich eine neue gründete. Doch nicht nur die organisierten Faschisten im Raum Suhl und Zella-Mehlis sind ein Problem. Auch nicht organisierte Neonazischläger bedrohen immer wieder die Gesundheit und das Leben von Menschen, wie der Mord an einem sozial ausgegrenzten Mann in Suhl-Nord im vergangenen Jahr zeigt, welcher durch drei junge Neonazis gefoltert und getötet wurde. Egal ob Nazikneipen in den umliegenden Orten, Rechtsrockkonzerte, Nazischläger oder regelmäßige Propagandaaktionen – die Region Suhl und Zella-Mehlis ist schon seit Jahren ein beliebtes Aktionsfeld für organisierte und unorganisierte Neonazis. Die Mehrheitsgesellschaft schaut dabei viel zu oft weg oder stimmt stillschweigend zu.
Der Alltag von Flüchtlingen in Suhl ist nach wie vor geprägt von Angst und Unsicherheit. Den kurzzeitig Geduldeten mit schwebenden Asylverfahren droht permanent die Abschiebung. Flüchtlingsgruppen, wie den Roma wird Asyl generell verwehrt. In Suhl-Goldlauter befindet sich der Thüringer Abschiebeknast und damit ein Sinnbild der Menschenfeindlichkeit. Nichtsdestotrotz hat sich die Situation für Flüchtende in Thüringen nach zähen Kämpfen in den letzten Jahren gebessert. Wie schon seit vielen Jahren in Suhl wurde im Dezember 2012 auch das Isolationslager in Zella-Mehlis geschlossen. Das rassistische Gutscheinsystem wurde vielerorts und die Residenzpflicht thüringenweit abgeschafft.

Extrem sind die gesellschaftlichen Verhältnisse, nicht der Widerstand dagegen

Im April diesen Jahres sollte der Thüringer Ratschlag mit dem Demokratie-Preis des „Bündnis für Demokratie. Gegen Extremismus und Gewalt“ geehrt werden. Wir haben uns dazu entschieden, diesen Preis abzulehnen, vor allem um gegen die sogenannte Extremismus-Theorie zu protestieren. Der Extremismus-Ansatz ist zum einen ein ideologisches Kampfmittel, das menschenfeindliches Denken und Handeln als Problem politischer Ränder darstellt. Damit sollen die Gemeinsamkeiten der eigenen konservativen und reaktionären Politik mit diesem Denken verwischt werden. Zum anderen will der Extremismus-Ansatz die politische Linke diffamieren, indem der historische Nationalsozialismus mit dem Staatssozialismus parallelisiert und heutiger faschistischer Terror mit antifaschistischem Engagement gleichgesetzt wird. Solche Vereinfachung bzw. Verfälschung der Wirklichkeit dient nicht nur der gesellschaftlichen Verdummung, sondern relativiert die Verbrechen des Nationalsozialismus und verhöhnt dessen Opfer. Daran will sich der Ratschlag nicht nur nicht beteiligen, wir wollen solchen Tendenzen durch Aufklärung entgegenwirken.
Der Ratschlag tritt einer solchen wie jeder anderen Kriminalisierung des emanzipatorischen Widerstands gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse entgegen. Jene Verhältnisse bedeuten für die meisten Menschen auf der Welt Armut und Unterdrückung, sie bedeuten die kapitalistische Ausbeutung des Großteils der Weltbevölkerung, die Abschottung des globalen Nordens durch Abschiebung und Grenzsicherung, die Drangsalierung von Hilfebedürftigen etc. Gegen solche extremen Verhältnisse Widerstand zu leisten ist notwendig und keineswegs in ein Verhältnis zu setzen mit der Umwandlung der bürgerlichen Gesellschaft in ein offenes Gewaltverhältnis, den Faschismus. Die Aktiven des antifaschistischen und antirassistischen Ratschlags in Thüringen verbindet das Interesse an einer offenen und solidarischen Gesellschaft, in der alle Menschen ohne Angst verschieden sein dürfen. Dass eine solche Gesellschaft nicht erreicht ist, darüber sind wir uns einig, wie wir uns einer solchen Gesellschaft nähern wollen und können, darüber wollen wir streiten.

Ratschlag im Spannungsfeld: gesellschaftliche Breite und Kritik der Verhältnisse

Es gibt viele Gründe aktiv gegen Rechts, aktiv gegen Nazis vorzugehen. Fragen wie die Wahl der richtigen Mittel der politischen Auseinandersetzung als auch die inhaltlichen Forderungen sind immer wieder neu zu diskutieren. Der Ratschlag will als Ort für Diskussion zur offenen Auseinandersetzung zwischen denen beitragen, die pluralistisch orientiert, sich um gesellschaftliche Breite bemühen und ihren Fokus auf die Verhinderung von Naziaufmärschen sowie die Aufklärung der Bevölkerung legen wie denen, die Rassismus und Antisemitismus als gesellschaftliche Verhältnisse, als notwendige Erscheinungen in einer kapitalistischen Gesellschaft begreifen, die Aktionsformen, die diese Ordnung reproduzieren ablehnen und in der Abschaffung jenes kapitalen Verhältnisses die Lösung sehen.

Auch diesem Spannungsfeld wird sich der Ratschlag aktiv stellen, ohne Differenzen kitten oder kaschieren zu wollen.

Der Thüringer Ratschlag repräsentiert die Vielfalt des Antifaschismus und Antirassismus in Thüringen und möchte unterschiedliche gesellschaftliche und politische Gruppen ansprechen. Er richtet sich auch an die interessierte Bevölkerung aus Suhl und Umgebung. Wer am 2. November gemeinsam mit uns diskutieren, sich und andere aufklären und sich mit anderen Aktiven vernetzen möchte, den wollen wir herzlich einladen zum antifaschistischen und antirassistischen Ratschlag nach Suhl zu kommen!

Alle Infos zum Ratschlag, das Programm, sowie die Workshop-Beschreibungen findet ihr hier: http://www.ratschlag-thueringen.de
Wenn ihr Interesse an einer gemeinsamen Anreise nach Suhl habt, dann meldet euch per Mail oder kommt bei uns vorbei!