Archiv für Oktober 2014

Lesekreis: Demokratischer Konföderalismus als moderne Form des Anarchismus?

In zahlreichen Solidaritätsaufrufen für die vom Islamischen Staat (IS) bedrohten Kurd*innen in Kobanê wird Bezug genommen auf den Spanischen Bürgerkrieg. Wie damals stehen demnach autonome, von der Bevölkerung selbstverwaltete Regionen unter der Bedrohung einer faschistischen Invasion. Auch wenn die Solidarität gegen die Islamist*innen vom IS
unabhängig vom Zutreffen des Vergleiches mit Spaniens 1936 ist, so ist doch interessant, inwieweit die in Nordsyrien geschaffenen Strukturen anarchistischen Vorstellungen entsprechen. Entsprechend liest und diskutiert der Anarchistische Lesekreis zuerst Öcalans Manifest „Demokratischer Konföderalismus“ (28.10.) und danach in zwei Sitzungen (4. & 11.11.) Auszüge aus dem Buch „Demokratische Autonomie in Nordkurdistan. Rätebewegung, Geschlechterbefreiung und Ökologie in der Praxis – eine Erkundungsreise in den Südosten der Türkei“ (ISBN 978-3-941012-60-8).

24.10. Rote Hilfe Infoveranstaltung & Kino

Im Rahmen der Alternativen Orientierungstage „Still Not Lovin‘ Friedolin“ finden am Freitag, den 24.10. auch zwei Veranstaltungen im Infoladen Jena statt.

Polizeikontrollen und politische Repression

24.10.2014 – 16.00 Uhr

Ob auf dem Weg durch die Stadt oder zur Demo – die Polizei versucht immer wieder Kontrollen und Kriminalisierungsdruck als Selbstverständlichkeit in allen Lebenslagen zu etablieren. Wir wollen mit euch einige der typischen Szenarien durchsprechen, den rechtlichen Hintergrund und vor allem eure eigenen Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Welche Rolle dabei eine grundsätzliche Verweigerung von Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft spielt und welcher Effekt der Solidarität zukommt, wollen wir dabei aus unserer Sicht erläutern, aber auch zur Diskussion stellen.

http://rotehilfejena.blogsport.de/

JAPS-Kino: „Die Unsichtbaren“

24.10.2014 – 20.00 Uhr

Sie wurden zwischen den beiden Weltkriegen geboren, wuchsen auf in einer Gesellschaft, in der man nicht öffentlich sagen konnte, dass man anders ist. In „Die Unsichtbaren“ erzählen Lesben und Schwule in Frankreich voller Leidenschaft und mit großer Ehrlichkeit, wie sie sich selbst entdeckt, die Liebe gefunden und sich ihren Platz in ihrer Gesellschaft erkämpft haben.

Jeden Di 18 Uhr – Gewerkschaftliche Sprechstunde der FAU Erfurt/Jena

Ihr habt keinen Ansprechpartner für eure arbeitsspezifischen Angelegenheiten, beim Betriebsrat und DGB stoßt ihr auf taube Ohren oder kennt euch einfach nicht im Arbeitsrecht aus? Ihr habt aber Probleme am Arbeitsplatz und wisst: So kann es nicht weitergehen? Oder Ihr habt einfach Interesse und Fragen zum Thema FAU?

Die FAU Erfurt/Jena bietet ab sofort jeden Dienstag von 18 bis 19 Uhr eine gewerkschaftliche Sprechstunde an. Ziel soll sein, als Ansprechpartner für eure Anliegen zur Verfügung zu stehen. Gemeinsam überlegen wir, wie das jeweilige Problem anzugehen ist. Als syndikalistische Gewerkschaft schauen wir sowohl darauf, was ihr alleine tun könnt, als auch, wie wir als FAU unterstützend tätig werden können. Die Sprechstunde findet jeden Dienstag um 18 Uhr im Infoladen statt.

16.10.2014: Alexandra Kollontai und die Familie im Sozialismus

16.10.2014 – 19.00 Uhr

Alexandra Kollontai (1872-1952) war eine russische Revolutionärin, die ein bewegtes Leben führte: Unter der Herrschaft des Zaren musste sie wegen aufrührerischer Gedanken ins Exil und verbrachte viele Jahre in Frankreich, den USA, Deutschland, Schweden und Norwegen. 1917 ging sie zurück nach Russland und kämpfte zusammen mit den Bolschewiki. Nach deren Sieg besetzte sie wichtige Funktionen, in denen sie sich vor allem mit den Fragen der Familienpolitik in der Sowjetunion auseinandersetzte, für Frauenrechte stritt und versuchte, eine Liberalisierung in Sachen Familie, Reproduktion und Sexualität durchzusetzen. Ihre Stellung zum Stalinismus war ambivalent: Einerseits war sie Anhängerin Stalins und überlebte die stalinistischen Säuberungen (was für Bolschewisten der ersten Stunde in den höheren Etagen eine absolute Seltenheit war), andererseits kritisierte sie die Bürokratisierung unter Stalin. Dies mag der Grund dafür sein, dass sie ab den 1920′er Jahren nur noch Funktionen als Diplomatin im Ausland übernahm.

Felicita Reuschling (selbständige Kunstpädagogin und Kurautorin, Autorin u.a. bei „Phase 2“) geht in ihrem Vortrag über Alexandra Kollontai vor allem auf deren Ausführungen über die Familie im Kommunismus ein. Sie vollzieht die familienpolitischen Debatten im Zuge der realsozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft nach und stellt Kollontais Positionierung darin dar. Vor Allem geht es um das Verhältnis und die Wertung von „produktiver“ und „unproduktiver Arbeit“, die Stellung der reproduktiven Arbeit in der allgemeinen Arbeitsteilung sowie das Verhältnis von privater Sphäre, Familie und Öffentlichkeit. Dabei formuliert sie eine Kritik an den Positionen Kolontais, deren Ambivalenzen schon aus der marxschen Theorie herrühren.

Alternative Orientierungstage „Still Not Lovin‘ Friedolin“


Alle Infos und Termine unter: http://stillnotlovinfriedolin.blogsport.de/

Intro

Die Stadt ist klein, ein bisschen spießig, historisch aufgeladen, Schiller hatte hier ein Gartenhäuschen, die DDR einen Industriestandort und das Terror-Trio der NSU ihre erste Bombenwerkstatt. Manchmal wirkt sie ein wenig provinziell, in den Semesterferien gelegentlich wie eine Geisterstadt und ja irgendwann denkt jede*r mal, wäre ich doch besser nach Leipzig oder Berlin gegangen. Aber hey – ihr lebt jetzt hier, genau wie wir, und das ist auch gut so.

Das Märchen vom Paradies

Die ersten Eindrücke sind gesammelt, die ersten Erfahrungen gemacht und nun könnt ihr – laut FSU-Homepage – mit „Wohlfühlgarantie“ ins „Studentenparadies Jena“ durchstarten. Doch auch die Universität handelt im Wesentlichen im Sinne eines ganz und gar nicht paradiesisch anmutenden Unternehmens. Wirtschaftlichkeit steht im Vordergrund und somit wird das Studium zu einem K(r)ampf zwischen Konkurrenz- und Leistungsdruck. Viele Möglichkeiten und Räume für die Gestaltung einer unangepassten Studienzeit bleiben im Verborgenen. Kein Platz zum Fragen stellen und für kritische Auseinandersetzungen mit dem Fach, mit der Uni, mit seinen*ihren Mitmenschen, mit sich selbst. Für viele
Facetten des Lebens ist in diesem Lehrbetrieb kein Raum. Kritisches Denken zu entwickeln braucht Kraft und Zeit, die uns der alltägliche Unitrott kaum lässt. Oft arrangieren wir uns nicht zuletzt auch aus Bequemlichkeit mit diesem und drei Jahre Bachelorstudienzeit vergehen wie im Flug.

„Still Not Lovin‘ Friedolin“ – Leben besteht aus mehr als nur Creditpoints!

Soweit so schlecht, aber wir haben uns nicht zum Ziel gesetzt, euch euren Neustart in Jena zu vermiesen, sondern wir rufen euch dazu auf, euch nicht vom stetig monoton vor sich hin plätschernden Studienalltag einschläfern zu lassen! Mit dem Willen, sich gegen den allgegenwärtigen Zwang von Effizienz und Nutzen zu sträuben, wollen wir euch mit der in dieser Broschüre vorgestellten Kampagne freundlich anstubsen und dazu ermuntern, zwischen den vielen neuen Eindrücken nicht zu vergessen: Es gibt ein Leben neben der Uni, auch wenn Friedolin mit Musterstudienplänen und Leistungsanforderungen einen anderen Anschein erweckt. „Still Not Lovin‘ Friedolin“ ist deshalb eine kritische Intervention und eine Einladung an euch alle, Einblicke in das andere, widerständige Jena zu gewinnen, dass sich der paradiesisch normierten Image-City widersetzt In zahlreichen Workshops, Stadtrundgängen, Filmabenden etc. wollen wir bereits existierende Initiativen, Projekte und
Orte vorstellen, Erfahrungen austauschen und gemeinsam mit euch eine Vorstellung davon entwickeln, wie sich eine emanzipatorische Praxis fern des normalen Studientrotts gestalten und etablieren ließe.

Orientiert euch! Organisiert euch!

Eine neue Stadt, unzählige neue Menschen, eine neue Herausforderung. An dieser Stelle tritt oft eine uns nur allzu bekannte Ratlosigkeit und nicht selten das Gefühl ein, etwas verloren zu sein. Wir hoffen deshalb euch mit den Alternativen Orientierungstagen das Ankommen hier in
Jena zu erleichtern und euch einen umfassenden und hilfreichen Einblick zu bieten in den oft unübersichtlichen und zuweilen schwer auffindbaren Jenaer Politdschungel und die vielen Alternativen Projekte, denn: Es gibt unendlich viele Gründe sich zusammemzutun und aktiv zu werden! Kommt vorbei! Orientiert euch! Informiert euch! Werdet aktiv! Geht tanzen! Schlaft aus, mogelt, schreibt ab, bildet euch, bildet andere, bildet Banden, streikt, schwänzt, kämpft und rebelliert!

Wir freuen uns auf euch!
Eurer Orga-Team