Archiv für April 2014

Freiheit für Josef! – Solishirts ab sofort bei uns

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25.04.14 Info- und Mobilisierungsveranstaltung für den 1.Mai in Plauen

25.04.2014 | 19.00 Uhr | Infoladen Jena

Aufruf

Das „Freie Netz Süd“, ein militanter rechter Kameradschaftsverband, hat eine Demonstration unter dem Motto „Arbeit zuerst für Deutsche“ angemeldet. Großspurig als „Arbeiterkampfdemo“ angekündigt, wird die neonazistische Kameradschaft am 1. Mai unter dem Anschein von Systemkritik rassistische und nationalistische Inhalte auf die Straße tragen. Es ist klar, dass wir dies nicht unwidersprochen hinnehmen werden. Dennoch ist es Zeit, die Frage aufzuwerfen: Wem gehört der 1. Mai?

Wem gehört der 1. Mai?

Der 1. Mai als traditionell linkes Symbol der Kritik am bestehenden System ist in die Jahre gekommen. Zwischen sich „revolutionär“ gebenden, nostalgischen Großdemonstrationen und müden Gewerkschaftsveranstaltungen ist wenig Raum geblieben. Schon die geläufige Bezeichnung als „Tag der Arbeit“ ist so wenig emanzipatorisch wie große Teile der Politik des deutschen Gewerkschaftsspektrums: Der positive Bezug auf Lohnarbeit, die daraus folgende Verherrlichung ausbeuterischer Abhängigkeitsverhältnisse oder zumindest das Aufgeben jeglicher revolutionärer Ansprüche zugunsten der Hoffnung auf „kleine Reformen“ sind Konsens in weiten Teilen der parlamentarischen Linken und der etablierten Gewerkschaften. Kein Wunder also, wenn sich organisierte Nazis erfolgreich als „antikapitalistische“ Alternative in Szene setzen.

Der 1. Mai ist deshalb vor allem ein umkämpftes Symbol. Die völkische Ideologie des FNS, die sich den Anschein einer Kapitalismuskritik gibt, ist zutiefst regressiv. Unterdessen gibt sich der DGB nicht einmal die Mühe, einen Anschein von Kritik am kapitalistischen System zu formulieren. Es ist also notwendig, eine emanzipatorische, linke Perspektive zu formulieren – gerade am symbolträchtigen 1. Mai!

Wir haben keine Lust auf Klassennostalgie – genauso wenig wie wir bereit sind, auch nur einen Funken Hoffnung in dieses System zu setzen, das ausbeutet, abschiebt, einsperrt und die Menschen im alltäglichen Leistungsdruck zerreibt. Wir erhoffen uns nichts von denjenigen, die noch Hoffnung in das Bestehende setzen, sei es durch die Hoffnung, der Standort Deutschland möge von der Krise verschont bleiben oder durch das Erbetteln sanfter Zugeständnisse wie hier ein Euro mehr Lohn, dort eine halbe Stunde weniger Arbeit – während gleichzeitig das Streikrecht von der Großen Koalition mit Billigung des DGB erneut ausgehöhlt wird.

Die Deutungshoheit gesellschaftlicher Prozesse weder den organisierten Nazis noch den stets nach Kompromissen innerhalb des Kapitalismus suchenden etablierten Gewerkschaften zu überlassen, ist daher unser Ziel.

Kapitalismuskritik ist kein Relikt von gestern, Kapitalismuskritik ist weder völkisch noch national. Lasst uns die Straßen am 1. Mai zurückerobern. Let’s Take It Back! Für eine Gesellschaft ohne Staat, Nation und Kapital!

Antikapitalismus von rechts: Das Freie Netz Süd

Das „Freie Netz Süd“ ist ein militanter rechter Kameradschafts-Dachverband aus Süddeutschland und streckt seit einiger Zeit seine aktionistischen Fühler auch über bayerisches Terrain hinaus aus. Seit Jahren veranstalten die süddeutschen Nazis am 1. Mai eine Großdemo – die Teilnehmer*innenzahlen sind jedoch im konstanten Sinkflug begriffen, von etwa 1.000 in Schweinfurt (2010) zu 350 in Würzburg. Dennoch ist die neonazistische 1.-Mai-Demo des FNS nach wie vor einer der wichtigeren Kalendertermine der organisierten Kameradschaftsszene. Auch die regionalen Nazis sind mittlerweile eng mit dem FNS verknüpft – die Kameradschaft RNJ (Revolutionäre Nationale Jugend Vogtland), welche von 2011-2013 einen sogenannten „Trauermarsch“ in Plauen mit bis zu 180 Teilnehmer*innen veranstaltete, hat sich faktisch in Luft aufgelöst. Die verbliebenen Aktivist*innen sind jedoch ins FNS gewechselt. Und so hat es 2013 in Plauen zwei Nazikundgebungen, die vom FNS mit organisiert waren, gegeben.

Weltoffen, bunt, nichtssagend

Natürlich ist es inzwischen auch in Sachsens kleinen Städten Standard, dass lokale Antifagruppen und bürgerliche Bündnisse gegen rechte Demonstrationen mobil machen um diese, trotz der Gefahr immenser Repressionen, zu verhindern. Obwohl diese Bemühungen, selbst im besten Fall, also der Unterbindung der Nazidemo, nichts – oder nur sehr wenig – an den bestehenden Verhältnissen ändern, stellen sie zumeist die einzigen kämpferischen und emanzipatorischen Aktionen dar. Viel zu oft erschöpft sich der Inhalt derartiger Aktionen jedoch in einer bloßen reflexartigen Abwehr der Realität „Nazis“. Und nachdem der Aufmarsch vorbei ist, klopft sich alles auf die Schulter: Die guten Demokrat*innen haben „Gesicht gezeigt“, eine „weltoffene Demokratie“ verteidigt.

Wir haben beschlossen, uns am 1. Mai bewusst nicht hinter all jene zu stellen, die ihre Illusion eines friedlichen Deutschlands und einer vermeintlich „sozialen“ Marktwirtschaft aufrecht erhalten und das Bestehende verteidigen wollen.

Wir haben uns die Frage gestellt, worin der Sinn besteht, einer Gesellschaft, die sich auf rassistische, nationalistische und ausgrenzende Logiken beruft, für einen Tag einen bunten Anstrich zu verpassen um sie gegen – na sowas – Rassist*innen und Nationalist*innen, die sich als Vollstrecker eines dubiosen Volkswillens wähnen, zu verteidigen.

Wir haben beschlossen, dass es da nichts gibt, was sich zu verteidigen lohnt.

Wir haben beschlossen, diesen Standard zu brechen.

Während das „Freie Netz Süd“ nach mehr Arbeit für „Deutsche“ schreit, wähnt sich der bürgerlich-demokratische DGB auf der „guten Seite“. Doch die vermeintlichen Gegenentwürfe der Gewerkschaftler*innen bestehen ebenfalls nur in der Verteidigung des Bestehenden – und damit in der Konsolidierung jener gesellschaftlichen Verhältnisse, die Ausgrenzung und Ungleichheit erst hervorbringen.

Das „Freie Netz Süd“ fordert einen autoritären Staat, der seine Arbeiter*innen über die Zugehörigkeit zu einer sogenannten „Volksgemeinschaft“ auswählt und verkauft dies als vermeintliche Alternative: Einen „guten“, weil „deutschen“ Kapitalismus im Gegensatz zum „bösen“ internationalen Entwurf des gleichen Wirtschaftssystems. Der DGB wünscht sich kleine Verbesserungen im bereits bestehenden System – und legitimiert damit erst recht den Status Quo. In Zeiten der permanenten Krise bedient sich das System immer stärkeren nationalistischen und rassistischen Logiken zur vermeintlichen „Krisenbewältigung“. Auf welche Seite sollte mensch sich also stellen, wenn beide offenbar nur unterschiedliche Seiten der selben Medaille abbilden? Auch der „staatstreue“ scheinbare Antifaschismus des DGB ist für uns keine Option. Eine Kritik der Verhältnisse liefert er nicht. Im Gegenteil: Dafür ist er kontraproduktiv. Im Grunde wird dieser Aspekt von Antifaschismus zur Farce, wenn er die bestehende politische und wirtschaftliche Ordnung verteidigen will anstatt Alternativen zu formulieren. Oder, um es deutlich zu formulieren: Liebe etablierte Gewerkschaften. Wir kaufen euch eure Kapitalismuskritik schon lange nicht mehr ab. Wenn der Standort Deutschland bedroht scheint, wird ganz schnell die Volksgemeinschaft beschworen, werden Ressentiments bemüht anstatt Alternativen zu formulieren. Alternativen ins Auge zu fassen würde heißen: Ein radikaler Bruch mit der derzeitigen Krisenpolitik, mit einer von Grund auf ungerechten Wirtschafts-, Eigentums- und Gesellschaftsordnung. Für uns stellt sich die Frage: Wie soll die offensichtliche Ungerechtigkeit bekämpft werden, ohne eine fundamentale Kritik der Verhältnisse?

Das Ziel bleibt eine befreite Gesellschaft.

Wir fühlen uns nicht dazu berufen die „bunten“ Parlamente vor den Nazis zu schützen. Wir sind gegen diese Verhältnisse, die im Wesentlichen im Verwerten und Verwalten des gesamten Planeten bestehen. Deshalb gehen wir am ersten Mai auf die Straße, um die Verhältnisse anzugreifen, um gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu kämpfen, statt uns „nur“ mit der Realität „Nazis“ auseinanderzusetzen. Was nicht heißt, dass wir nicht bereit sind nonverbale Signale in diese Richtung zu senden – auch an diesem Tag.

Der erste Mai ist sozialer Kampf und wir finden es ist Zeit, hier eine deutliche Position einzunehmen. Es gilt die soziale Frage aufzuwerfen statt sie tot zu quatschen, zu relativieren oder gar, durch eine erfundene Volksgemeinschaft, wegzuleugnen. Wir wollen, statt ständig nach mehr Arbeit (für „Deutsche“) zu plärren, eine Gesellschaft, in der den Bedürfnissen der Menschen entsprechend gewirtschaftet und notwendige Arbeit gerecht verteilt wird. Wir wollen uns weder kaputt rackern für das Wohl Einzelner, noch an Langeweile und Isolation zu Grunde gehen. Wir wollen die Gesellschaft in der jede/r, wie sie/er kann, für das Wohlergehen aller sorgt, wo Wertigkeit von Individuen nicht an (bezahlte) Leistung gekoppelt ist, wo jede_r zählt und die Unterschiede keine Grenzen sind. Wir fordern keine kleinen Zugeständnisse wie vielleicht 8,50 € Mindestlohn („eventuell, irgendwann für bestimmte Branchen, aber nur wenn es der Wirtschaft nicht schadet“). Wir wollen die ganze Bäckerei, die uns zusteht.

Das alles wird ganz sicher nicht durch eine Demo, weder diese noch irgendeine andere – selbst wenn sie sich als „revolutionär“ bezeichnen sollte – erreicht werden. Aber sie kann unseren Standpunkt, unsere Kritik klar machen, auf die Straße, in die Öffentlichkeit tragen und damit ein Teil des täglichen Kampfes für Gerechtigkeit und ein besseres Leben sein. Wir stehen mit dieser Kritik, gerade in der Provinz, relativ isoliert – eben deshalb halten wir es für unumgänglich in die Wahrnehmung der sogenannten Öffentlichkeit zu gelangen, unsere klare Haltung und Inkompatibilität mit diesem System genauso zum Ausdruck zu bringen, wie unsere Offenheit und unseren Respekt Menschen gegenüber. Wir wollen keine Bildungsveranstaltung, in der wir der Öffentlichkeit endlich DIE Wahrheit erklären, wer gut und böse ist und wen sie wählen sollen – dafür gibt es die Nazis, die Parteien und die Verschwörungstheoretiker*innen. Wir wollen Widerstand demonstrieren gegen ein von Grund auf ungerechtes System und zeigen, dass wir keinen Frieden geben werden, der mit Ausbeutung und Unterdrückung bezahlt ist. Organisieren wir gemeinsam den Widerstand, zeigen wir, an diesem ersten Mai in Plauen, dass Widerstand gegen diese Verhältnisse, jenseits von Rassenhass und lahmarschiger Klassennostalgie stattfinden kann!

LET’S TAKE IT BACK!

Mehr Infos unter: http://takeitback.tk/

Auf dem Weg zu einem anarchistischen Staatsverständnis

Anarchist*innen wird seit jeher und sicher auch nicht ganz mit Unrecht ein mangelhafter Staatsbegriff unterstellt. Um sich dieser Baustelle anzunehmen werden wir uns in den nächsten Wochen mit der „Materialistischen Staatstheorie“ von Joachim Hirsch (ISBN: 3899651448) auseinander setzen. Wir lesen dazu in drei Sitzungen mehrere Abschnitte aus dem ersten Kapitel seines so betitelten Buches.

1. Sitzung 22.04.: Was ist materialistische Staatstheorie? & Die politische Form der kapitalistischen Gesellschaft (S. 15-39)
2. Sitzung 29.04.: Soziale Form, Institution und gesellschaftliches Handeln, Struktur und Funktionsweise der Staatsapparate & Struktur und Geschichte (S. 39-58)
3. Sitzung 06.05.: Staat, Nationalismus, Rassismus und Sexismus & Kapitalismus, Staat und Demokratie (S. 66-82)

Außerdem verschieben wir unseren Termin um zwei Stunden nach vorne, also los geht es jeweils ab 18 Uhr.

*Fischli/Weiß-Filmabend* am 17.04.14

Donnerstag, 17.04.14 – 19.30 Uhr

Peter Fischli (*1952) und David Weiß (1946-2012) sind zwei Künstler aus der Schweiz, die seit 1979 als Künstlerduo zusammenarbeiteten. In ihren außergewöhnlichen Filmen widmen sie sich dem Kleinen und dem Trivialen: der Alltagsgegenstand und die Alltagssituation stehen im Fokus merkwürdiger Erzählungen. Während der Film „Der Lauf der Dinge“ den Lauf einer Rube-Goldberg-Maschine verfolgt, die eine komplizierte und umständliche mechanische Reaktion in Gang setzt, erforschen in den Filmen „Der rechte
Weg“ und „Der geringste Widerstand“ eine Ratte und ein Bär ihre Lebensumgebung – einmal die Großstadt, in der neuerdings die moderne Kunst angesagt ist, ein anderes mal die Wildnis, in der Mythos und Ritual dem Überleben dienlich sein sollen. In den Filmen, Installationen und Plastiken von Fischli und Weiß ist die Stimmung der frühen 80′er Jahre gespeichert, die uns heute befremdlich erscheint. Freundinnen der Seltsamkeit, der Sommerzeit-Traurigkeit und des subtilen Witzes sowie Bastler, Sammler und Detektive sind herzlich zum Fischli/Weiß-Filmabend eingeladen.

Auf in die neue Zeit…

Ab Dienstag, den 15.04. ca. 20 Uhr wollen wir wieder als anarchistischer Lesekreis zusammenkommen und schauen, was das nächste Semester so bringen mag. Von anarchistischen Klassikern bis zum Postanarchismus, von der Pariser Kommune über die Machno-Bewegung zur Kommune von Oakland, von ökoanarchistischen Ansätzen, über Hierachie-Kritik bis zum ‚Projekt A‘ haben wir seit anderthalb Jahren schon so einiges lesen und miteinander diskutieren können.

Nach einer längeren Pause werden wir beim nächsten Treffen gemeinsam eine Entscheidung fällen, wie es weitergehen soll und was wir demnächst lesen werden. Wir sind kein exklusiver Club und freuen uns über neue Menschen, die vorbeikommen wollen.

Bisher haben wir uns meistens für drei Treffen einem (größeren) Text gewidmet und uns anschließend wieder ein neues Thema gesucht. Wenn wir das so beibehalten wollen, wäre es deswegen auch möglich, je nach Interesse, nur für ein Thema einzusteigen. Wenn ihr Interesse habt, schaut also einfach vorbei!